Grijze Wolven in Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 2001


3.2 Extrem-nationalistische Organisationen

'Föderation der Türkisch- Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V.'
(ADÜTDF)/'Deutsche Türk Föderation' (ATF)

Gründung: 1978
Sitz: Frankfurt am Main
Mitglieder: ca. 2.100 Baden-Württemberg (2000: ca. 2.100)
ca. 7.800 Bund (1999: ca. 7.500)
Publikation: 'Türk Federasyon Bülteni' (türkisch)

Die 'Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Europa e.V.' (ADÜTDF) ist ein Sammelbecken der extrem-nationalistischen Türken in Deutschland. Sie ist der breiten Öffentlichkeit vor allem unter der Bezeichnung 'Graue Wölfe' bekannt. In Baden-Württemberg existieren über 40 Ortsvereine, die in drei Regionalverbänden organisiert sind. Die wichtigsten Vereine mit bis zu 100 Mitgliedern befinden sich in Stuttgart, Ulm und Mannheim.

Sowohl in der Türkei als auch in Deutschland waren die Funktionäre in den letzten Jahren bemüht, sich vom Image der wegen ihrer Gewalttätigkeit einst berüchtigten 'Grauen Wölfe' zu lösen. Allerdings gibt es Anhaltspunkte, wonach dieses defensive Verhalten weitgehend auf kurzfristige taktische Erwägungen zurückzuführen ist. Auf lange Sicht gesehen bleibt die Frage der Militanz offen. Dies könnte insbesondere dann relevant werden, wenn die Mutterorganisation 'Partei der Nationalistischen Bewegung' (MHP) als türkische Regierungspartei für ihre Arbeit in der Koalition, insbesondere wegen ihres Taktierens in der Frage der Todesstrafe für den Vorsitzenden der 'Arbeiterpartei Kurdistans' (PKK), Abdullah ÖCALAN, von unzufriedenen Wählern abgestraft werden sollte.

Eigentlich dürften innerhalb der ADÜTDF keine islamistischen Tendenzen existieren. Denn sowohl sie als auch die MHP pflegen den Islam lediglich als 'Trittbrettfahrer' zu benutzen, soweit er als politische Bewegung verstanden wird. Die seit einiger Zeit deutlicher gewordene islamische 'Orientierung' beschränkt sich freilich auf die Umsetzung der so genannten türkisch-islamischen Synthese, wobei die nationalistische Komponente eindeutig dominiert. Deshalb steht sie im Hinblick auf Sympathisanten in Konkurrenz mit den Islamisten. Diese Rivalität schlug sich in wechselseitiger Polemik nieder.

Das Festhalten an pantürkischen und rechtsextremistischen Ideen war nach wie vor unverkennbar, genauso wie die kompromisslose Gegnerschaft zu 'Linken' beziehungsweise Minderheiten. So wird etwa auf der Internet-Homepage des ADÜTDF-Vereins in Göppingen die Sprache der 'Idealisten' deutlicher:

",Türkei den Türken!' Wir, die idealistische Jugend, schwören auf den Koran, Allah, Vaterland, Nation, Fahne, Basbug (97) und die Waffe, dass wir den Faschismus, Kommunismus, Kapitalismus und jede Art von Imperialismus bis zum letzten Atemzug, Blutstropfen und dem letzten Mann bekämpfen werden. Dabei werden wir alle Hindernisse aus dem Weg räumen. Unser Ziel ist eine nationalistische Türkei und Turanismus (98). Wir werden siegen."

Selbst wenn die ADÜTDF ihre Attraktivität bei den Anhängern mit kulturellen Veranstaltungen zu steigern suchte, waren ideologische Momente mit volksverhetzendem Charakter zumeist nicht zu übersehen. So zeigten in jüngster Zeit vertriebene Musikaufnahmen, dass es Liedgut gibt, welches ausschließlich zur Diffamierung etwa von Andersdenkenden und 'Separatisten' dient:

"Meiner Meinung nach ist die Kommunismus-Pest noch nicht ausgerottet, und sie wird nicht so schnell ausgerottet werden... Vor allem in der Türkei, im heiligen Land, nennen sie sich Avantgardisten und Intellektuelle. Diese muss man finden und alle vernichten... Weder ausländische noch inländische Journalisten dürfen in das Gebiet [Südosten der Türkei] hinein. Ganz leise muss man alle beseitigen." (99)

In diesem Zusammenhang wird auch 'der Westen', den die Sympathisanten der ADÜTDF insbesondere im deutschen Staat wahrnehmen, für seine Haltung gegenüber der Türkei kritisiert:

"Aber der Westen würde es nicht akzeptieren, heißt es immer. Hört endlich damit auf, auf diese Schweine zu hören. Das Land geht verloren, zum Teufel mit dem Westen." Weiter wird den staatlichen türkischen Stellen im Zusammenhang mit dem Kurdenkonflikt Tatenlosigkeit vorgeworfen und bei den hier lebenden türkischen Mitbürgern Fremdenfeindlichkeit geschürt:

"Entweder Ihr stoppt dieses Blutvergießen oder wir werden es tun. Amerika und Europa sind es, die es schüren. Iran, Irak, Syrien sind alle dasselbe Übel, der muslimische Türke hat eben keinen Freund."

Die Terroranschläge in den USA vom 11. September 2001 wurden zwar innerhalb der Organisation verurteilt und die Opfer bedauert, trotzdem konnten einzelne ADÜTDF-Angehörige eine gewisse Genugtuung nicht verhehlen, zumindest was den Anschlag auf das Pentagon betraf.

97 Alparslan Türkes, verstorbener Führer der 'Idealisten' beziehungsweise der MHP.
98 Vereinigung aller Turkvölker unter der Führerschaft der 'Idealisten'.
99 Hier und im Folgenden: Aus der Musikcassette des in MHP-Kreisen sehr bekannten Arif SEN alias Ozan Arif mit dem Titel 'Kime Biraktin?' ('Wem hast Du es überlassen?').