Bewährung nach Tod im Kulturverein


Kölner Stadt-Anzeiger, 10.4.2003
Köln

Der Prozess um eine tödliche Messerstecherei in einem kurdischen Kulturverein in Kalk endete für einen Angeklagten mit einer Bewährungsstrafe.

Nach insgesamt fünf Verhandlungstagen verurteilte die Schwurgerichtskammer Karay A. (23) wegen gefährlicher Körperverletzung zu anderthalb Jahren Bewährungsstrafe. Eine gemeinsame Beteiligung an einem Tötungsdelikt sei dem Angeklagten nämlich 'nicht zweifelsfrei nachzuweisen, obwohl vieles dafür spricht', hieß es in der Urteilsbegründung. Als Motiv hielt die Kammer 'politische Hintergründe' auf Grund der Gegnerschaft zwischen Opfer und Täter denkbar. Der Angeklagte sowie sein Komplize sind Sympathisanten der rechtsextremistischen 'Grauen Wölfe'.

Im Juli 1999 war der politische Flüchtling und Kurde Erol I., der als Kellner in dem Kulturverein arbeitete, in dem Lokal niedergestochen worden. Gemeinsam mit einem Komplizen war der Angeklagte zunächst in die Türkei geflohen, hatte sich zwei Wochen später allerdings den deutschen Behörden gestellt. Während sein Komplize in der Türkei in Untersuchungshaft sitzt, weil ihm in dieser Sache wegen Totschlags der Prozess gemacht werden soll, war Karay A. nur wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt worden. Er hatte von Anfang an bestritten, an den Messerstichen beteiligt gewesen zu sein, allerdings zugegeben, das Opfer geschlagen und getreten zu haben. (HD)

Update 04.01.04: Uitspraak van het Bundesgerichtshof op 12 november 2003