Grösster Drogenfang


Tages-Anzeiger, 01.11.1996

Zürich: Chef der Heroin-Dealerbande in Haft, Komplize floh aus Klinik

"Wir dürfen die Prohibition nicht aufheben. Sie sind süchtig nach dieser Schnüffelarbeit."

Die Zürcher Stadtpolizei hat seit letztem Februar 53 Kilo Heroin und 1,1 Tonnen Streckmittel sichergestellt. 22 Personen aus der Türkei, der Tschechischen Republik, aus Albanien und Ex-Jugoslawien sind verhaftet worden.

Zürich. - Dies sei der bisher grösste Heroinfang des Landes, erklärte der Chef der Stadtzürcher Kriminalpolizei, Marcel Bebié. An der Spitze des Dealerrings stand der 40jährige Türke Ali G., ein Mitglied der nationalistischen türkischen Bewegungspartei "Graue Wölfe" (MHP). Er hatte 1995 im türkischen Izmir als Parteiabgeordneter kandidiert und war auf dem dritten Listenplatz gelandet. In Zürich führte G. sein Imperium wie einen Familienclan. Als Strassenhändler dienten illegal anwesende Albaner, die ihren Boss nicht kannten. Der Erlös des Drogenverkaufs bewegt sich in Millionenhöhe. Doch vom Geld fehlt bisher jede Spur. Ein Rechtshilfegesuch an türkische Untersuchungsbehörden soll Klärung schaffen.

Mit einer Busse rechnen muss ein Zürcher Pharmaunternehmen, welches Drogenboss Ali G. unerlaubterweise rund 2,7 Tonnen Streckmittel verkaufte. Dazu dienten Stoffe wie das Schmerzmittel Paracetamol, das Lokalanästhetikum Lidocain und Koffein. Die Firma wird sich wegen Übertretung des Heilmittelgesetzes verantworten müssen.

Der Wermutstropfen an dieser Erfolgsmeldung: G.s 31jähriger Komplize Nuri Aydin sass ebenfalls in Haft. Wegen Suizidgefahr hatte man ihn in eine psychiatrische Klinik verlegt. Dort war er jedoch im Juli entkommen. Der zuständige Bezirksanwalt spricht von einem "peinlichen Missverständnis".

(km)